proGIreg-Aquaponikanlage „HANSAPONIK“ am 16.06.2023 eröffnet

Blick auf die DWC-Becken der Hansaponik-Aquaponik-Anlage, Foto: Ingo Bläser
Blick auf die DWC-Becken der Hansaponik-Aquaponik-Anlage, Foto: Ingo Bläser

Wir haben bereits hier in einem Artikel über unsere Teilnahme am Forschungsprojekt proGIreg berichtet. Am Freitag den 16.06.2023 wurde die Aquaponik-Anlage auf dem Gelände der Kokerei Hansa eröffnet, die im Rahmen des Forschungsprojekts in Dortmund entstand. Rund 60 Gäste trafen sich früh morgens um 8 Uhr in den Gewächshäusern, um an einer Führung durch die Anlage mit Rolf Morgenstern (FH Südwestfalen) teilzunehmen. Der Hauptteil der Feierlichkeiten fand anschließend in der historischen Waschkaue der Kokerei statt, wo Vertreter aller Projektpartner zum Anlass der Eröffnung zur Sprache kamen.

Nach den offiziellen Programmpunkten blieb zudem reichlich Zeit für Austausch und Networking, was sich noch bis in den frühen Nachmittag hinzog. Wir freuen uns, dass die Anlage nun ihren Betrieb aufnimmt. Durch unsere Beteiligung an Planung und Bau der Anlage haben wir sehr viel gelernt. Auch die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern hat uns großen Spaß gemacht. Mit der Fertigstellung neigt sich das Projekt für uns nun dem Ende entgegen, aber wir freuen uns über das Ergebnis und darüber, dass der Anlage jetzt spannende neue Nutzungskonzepte bevorstehen.

Rundgang durch die frisch eröffnete Aquaponik-Anlage der Kokerei Hansa, Foto: Ingo Bläser
Offizieller Teil in der Waschkaue der Kokerei Hansa, Foto: Ingo Bläser
Offizieller Teil der Eröffnung in der Waschkaue der Kokerei Hansa, Foto: Ingo Bläser

Eckdaten des „Hansaponik“-Aquaponiksystems

Es handelt sich hierbei um zwei identische Aquaponiksysteme in Leichtbau-Gewächshäusern von jeweils 200qm Größe, d.h. 400qm insgesamt. Der Unterschied zwischen den Gewächshäusern besteht lediglich darin, dass ein Gewächshaus mit einem großen thermischen Speicher ausgestattet ist. So können die Unterschiede durch die Optimierung in den ansonsten baugleichen Systemen optimal verglichen werden. Dabei besteht die Außenhaut der Gewächshäuser aus einer luftgefüllten Doppelfolie, welche durch das ca. 20cm dicke Luftpolster eine sehr gute thermische Isolierung bietet.

In jedem der beiden Systeme befinden sich die folgenden Module:

Aquakultur und Filterstrecke:
Fischtanks: 4 x 1.500l, mit Oberflächenabzug (Skimmer) und Bodenabzug (Solid Lift Overflow)
Open Gutter System zur gleichmäßigen Speisung der Fischtanks
Biofilter: Moving Bed Bioreactor (MBBR)
Mechanischer Filter: Radial Flow Settler (RFS)
Remineralisierungstank: Remineralisation Batch Tank 

Hydroponik:
3 x Tiefwasserkultur bzw. Deep Water Culture (DWC)-Becken: 12 x 2m = 72qm
3 x Substratbeete bzw. Mediabeds 4 x 2m = 24qm
16 x AutoPot-System für größere Einzelpflanzen

Die DWC-Fläche enthält dabei ein Gewächshaus-in-Gewächshaus-Modul für die Anzucht von Jungpflanzen oder die Kultivierung von Microgreens.

Die Anlage kann abgekoppelt (decoupled) oder auch gekoppelt (coupled) betrieben werden, d.h. die Kreisläufe von Fischen und Pflanzen sind voneinander getrennt betreibbar oder aber als ein geschlossener Kreislauf. Und auch eine teilweise Kopplung ist möglich, bei der nur ein Teil des Rückflusses aus der Hydroponik zurück zur Aquakultur gelangt. So lässt sich die Anlage sehr flexibel und vielseitig für die verschiedensten Nutzungsarten einsetzen.

Angepinnte Anlagenpläne, Foto: Ingo Bläser
3D-Planungsansicht, Foto: Ingo Bläser
3D-Planungsansicht der Anlage, Foto: Ingo Bläser
Blick auf die Aquakultur der proGIreg Aquaponik-Anlage Hansaponik, Foto: Ingo Bläser
Blick auf die Aquakultur der proGIreg Aquaponik-Anlage Hansaponik, Foto: Ingo Bläser

Thermische Speicherwand

Das Gewächshaus ist insgesamt weitgehend an das Konzept von Gewächshäusern nach traditioneller chinesischer Bauweise angelehnt. Entlang des Sonnenverlaufs zur Südseite ausgerichtet, mit einer transparenten Eindeckung, im Hintergrund jedoch, d.h. auf der Südseite, befindet sich ein thermischer Speicher. Der besteht aus einer dunklen Front, z.B. als Wassermasse aus schwarzen IBC-Tanks, die durch die Sonne aufgeheizt werden. Dieses Prinzip ist als Passive Solar Greenhouse (PSG) bekannt und auch erforscht. Die Speicherwand speichert in einem der Gewächshäuser tagsüber die Sonneneinstrahlung und gibt die Wärme über die Nacht hinweg langsam ab.

Links: Speicherwand aus schwarzen IBC-Tanks, rechts: Test mit Microgreens, Foto: Ingo Bläser

Bevorstehende Nutzung

Die Aquaponik-Systeme werden bis zum Ende des Projekts ProGIreg im November gemeinschaftlich von den Urbanisten und der Fachhochschule Südwestfalen betrieben. Aufgrund der thematischen Relevanz für die Internationale Gartenausstellung im Jahr 2027 wurde in multilateralen Gesprächen beschlossen, die Anlage als integralen Bestandteil des IGA-Zukunftsgartens auf dem Gelände der Kokerei Hansa zu integrieren. Der Pachtvertrag mit der Industriedenkmal-Stiftung wurde bereits verlängert. Die Fachhochschule Südwestfalen übernimmt die Verantwortung für den Betrieb bis zur IGA.

Die Anlage dient dabei bereits jetzt Studierenden der Fachhochschule sowie internationalen Gästen als Forschungsobjekt. Aktuell werden beispielsweise Sensormesswerte im Rahmen einer studentischen Masterarbeit erfasst. Das langfristige Ziel besteht darin, sowohl die technische als auch die organisatorische Weiterentwicklung dieser innovativen Produktionsmethode voranzutreiben.

Darüber hinaus sind alternative ökonomische Konzepte für den Betrieb der Anlage geplant. Eine vielversprechende Idee besteht zum Beispiel darin, die Hydrokultur-Beete in Parzellen zu vermieten. Inspiriert von etablierten Konzepten wie den Mietgärten, wurde das Betriebskonzept „rent-a-raft“ entwickelt. Dabei wird die Einnahmenseite von der Produktionsmenge und -qualität entkoppelt, und die Vermarktung erfolgt unabhängig von den herkömmlichen Vertriebskanälen des Lebensmitteleinzelhandels. Ziel ist es, eine finanziell stabile und nachhaltige Betriebsführung zu erforschen. Die konkrete Unternehmensform kann dabei flexibel gewählt werden, ob als Verein, Genossenschaft oder konventionelle Firma.

Potenzielle Nutzer dieser Parzellen sind Menschen, die selbst nachhaltig gesunde Nahrungsmittel produzieren möchten, aber keinen Platz oder keine Gelegenheit haben, einen eigenen Garten zu betreiben. Die Pflanzen in unserem Aquaponiksystem werden optimal bewässert und natürlich gedüngt, die mühsame Unkrautbekämpfung entfällt auf den Beeten. Der Betreiber kümmert sich dabei um den Pflanzenschutz durch den Einsatz von Nützlingen, da chemische Pflanzenschutzmittel aufgrund der Fische generell vermieden werden. Zusätzlich zu den Beeten in der Tiefwasserkultur werden Substratbeete eingerichtet, auf denen Kräuter angebaut werden. 

Wer die weitere Nutzung der Anlage mitverfolgen möchte, findet hierzu aktuelle Artikel auf dem Hansagrün-Blog.

Und alles mitten im Denkmal

Eine Besonderheit war für uns hierbei immer die Lage der Anlage inmitten der Kokerei Hansa, die eine mitunter unglaubliche bis unwirkliche Kulisse darstellte. Was uns zunächst nicht wunderte, weil es im Projekt proGIreg gerade um die Nutzung postindustrieller und kontaminierter Flächen geht. Aber diese Umgebung bleibt auch weiterhin ein beeindruckender Ort, obwohl wir mittlerweile schon so oft hier gewesen sind.

Blick von Außen durch die Tür ins Turbinenhaus, gegenüber dem Standort der Aquaponikanlage.
Blick durch Tür ins Turbinenhaus gegenüber vom Standort der Aquaponikanlage, Foto: Ingo Bläser
Kokerei Hansa, Dortmund, Foto: Ingo Bläser

Für dieses Projekt wurden im Rahmen der
Finanzhilfevereinbarung Nr. 776528 Fördermittel aus dem Programm der Europäischen
Union für Forschung und Innovation „Horizon 2020“ bereitgestellt. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Webseite liegt ausschließlich beim proGIreg-Projekt und spiegelt nicht die Ansichten der Europäischen Union wieder.

Für dieses Projekt wurden im Rahmen der Finanzhilfevereinbarung Nr. 776528 Fördermittel aus dem Programm der Europäischen Union für Forschung und Innovation „Horizon 2020“ bereitgestellt. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Webseite liegt ausschließlich beim proGIreg-Projekt und spiegelt nicht die Ansichten der Europäischen Union wieder.

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